Dienstag, 9. Juni 2015
19.30 Uhr
Adresse:
Historischer Schienenbus
ab und an Bahnhof Kall
53925 Kall

Thomas Brussig

Das gibt's in keinem Russenfilm

Eintritt: 12,00 € / 6,00 € ermäßigt

Thomas Brussig erzählt die schillernde Biographie des berühmten Schriftstellers Thomas Brussig - und schreibt nebenbei unsere Gegenwart um, in der es keinen Fall der Berliner Mauer gibt. Auch keine Wiedervereinigung. Die DDR existiert einfach immer weiter. Endlos oder jedenfalls bis auf den heutigen Tag. Das hat natürlich Konsequenzen für die Menschen in Ost- und West. 1991 wird Oskar Lafontaine Kanzler der Bundesrepublik, während auf der anderen Seite alles seinen gewohnten sozialistischen Gang geht.

1991. Ein Abend in Ost-Berlin. Die Wiedervereinigung ist ausgefallen. Die Mauer steht und teilt Deutschland. Thomas Brussig lässt sich vom begeisterten Applaus der Zuhörer mitreißen und gibt ein Versprechen: Solange es nicht alle können, wird auch er keine Reise in den Westen unternehmen. Solange keiner eines hat, wird auch er kein Telefon haben. Und, weil erst drei Versprechen magisch binden: Solange es verboten ist, will auch er niemals ›Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins‹ lesen. Daran wird er sich halten müssen, denn auch die DDR hält sich.

In den folgenden Jahren wird er, der eigentlich ein kleiner Feigling ist, für einen Dissidenten gehalten, er soll Olympiabotschafter für Berlin werden, knutscht im Harz unter Eiffeltürmen aus Holz, findet sich in eine Stasi-Affäre verwickelt. Auch wirtschaftlich kann die DDR weiter bestehen, weil sie etwa massiv auf die Erzeugung von Windkraft setzt und damit auch das westliche Ausland beliefert. Ansonsten geht das Leben hier mit allen Einschränkungen und den kleinen, immer wieder selbst erkämpften Freiheiten, weiter. Politisch wie privat. Die DDR hält sich - bis heute.

Der Schriftsteller Thomas Brussig, 1965 in Ost-Berlin geboren, debütierte 1991 mit dem Roman "Wasserfarben", vier Jahre später erschien "Helden wie wir". Sein dritter Roman, "Am kürzeren Ende der Sonnenallee", wurde 1999 zum Bestseller und, in der Verfilmung von Leander Haußmann, zum erfolgreichsten deutschen Kinofilm des Jahres. Als Co-Autor lieferte er das Drehbuch für Heimat III von Edgar Reitz.